Von einer Pfarrkollegin bekam ich kürzlich eine kleine Spieleschachtel geschenkt. „Erklär‘s mir, als wäre ich 5“. Auf jeder Karte steht eine kurze Erklärung, eine „Antwort“ und die Spieler*innen müssen herausfinden, wie die Frage des Kindes wohl lautete.
Auf einer Karte, las ich folgende Antwort:
Würdet ihr den Weg nach Hause finden, wenn man euch – sagen wir – 100 Kilometer von daheim entfernt aussetzen würde? Dieses hier schafft es. Selbst wenn die Entfernung bis zu 1000 Kilometer beträgt. Es orientiert sich dabei am Geruch, an der Landschaft, am Stand der Sonne und am Magnetfeld der Erde. Das funktioniert aber nur dann, wenn ihm als „Kind“ mühsam beigebracht wurde, wo sein „Schlag“, also sein Zuhause ist.
(Aus „Erklär’s mir, als wäre ich 5“, riva Verlag, 2019)
Sie haben sicher schon erraten, worum es sich bei der Kinderfrage auf diese Antwort handelte – schließlich ist das ein Spiel ab 6 Jahren: „Was ist eine Brieftaube?“. Ein Alltagsgegenstand, einfach erklärt. Und doch hat er sein Wunder nicht verloren. Ist ja alles schön und gut, aber 1000 Kilometer in jede Richtung? Wie kann sich die Taube so viel Landschaft merken? Wie „spürt“ die Taube das Magnetfeld der Erde? Ein Wunder. Wunder der Natur? Wunder Gottes? Kürzlich fragte mich ein Schüler, ob ich nicht verstehe, dass der Mensch vom Affen abstamme, weil ich doch die Schöpfungsgeschichte erzähle. Keine Sorge, natürlich hab ich im Bio-Unterricht aufgepasst! Und ich käme nicht im Traum auf die Idee die Evolution anzuzweifeln. Aber ist das alles nur Zufall? Ist ein Wesen wie ich, mit meiner komplizierten Gedankenwelt, Zufall? Und noch viel spannender: Ist ein Wesen wie ich, mit meiner noch komplizierten Gefühlswelt, Zufall? Wieso sollen Wissenschaft und Glaube im Widerspruch zueinander stehen? In einem meiner Lieblingslieder heißt es „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur“ („Vergiss es nie“ von Jürgen Werth und Paul Janz, 1976).
Das ist es, was ich spüre, wenn ich dieses Wunder sehe: Eine Brieftaube findet immer nach Hause. Zu Sicherheit und Geborgenheit. An einen Ort, wo sie rundum versorgt wird, wo es ihr an nichts mangelt. Den Himmel auf Erden. So einen Ort, den wünsche ich Ihnen.
Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Diakonin Rebekka Tetzlaff