In Herrn Wohllieb ist alles aufgeräumt. Die Liebe liegt in einem Fach und die Vorliebe für Erdbeeren liegt daneben. Die Erinnerungen haben wieder ein anderes Fach. Auch für die Wut gibt es eins, aber nur ein kleines, weil Herr Wohllieb Wut nicht gern aufhebt.
Sophie findet diese Aufteilung merkwürdig, weil die Liebe und die Wut doch manchmal durcheinanderpurzeln und weil zu Erdbeeren Sahne gehört und zur Sehnsucht ein Ziel. Man kann das alles nicht fein säuberlich trennen, dann lebt man nicht. Dann verwahrt man nur.
“Kommen Sie“, sagt Sophie, „öffnen Sie eine Schublade für mich.“
Aber Herr Wohllieb hat Angst, dass Sophie alles durcheinanderbringt und er am Ende nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht und wo das Herz.
10 chaotische Sachen
das Gewirr eines Ameisenhaufens (anscheinend)
die Liebe
Sockenschubladen
die Spuren von Schnecken
Konfetti in der Luft
unser Sonnensystem
das Muster eines Zebras
der Kopf einer Dreizehnjährigen (oft)
Wartende an einer Bushaltestelle
Gedanken vor ihrer Vollendung
Aus „Herr Wohllieb sucht das Paradies“ von Susanne Niemeyer